Debstedt, der Name ist einmalig

Kein einfältiger Depp - ein Meereskind des Nordens

Den Ortsnamen "Debstedt" gibt es nur einmal auf der ganzen Welt. Er ist Begriff für ein mittelalterliches Naturphänomen der Meeresküste. Die Gezeiten, Ebbe und Flut, reichten einst bis an diesen Ort und ihre periodische Tätigkeit prägte seinen Namen.

Die Sprach- und Schreibform war ursprünglich zweisilbig: "de-be", Debbenstede, Döbbenstede, Dypstede oder ähnlich. Debben, döbben oder dyb, das sind variable Sprach- und Schreibformen des alten niederdeutschen Wortes "düppen", für hochdeutsch schöpfen, Wasser schöpfen; auch Düppkelle = Schöpfkelle oder utdüppen = ausschöpfen. Eine "Düppe" ist eine Wasserschöpfe, d.h. Wasser in Zeitabständen von einer Ebene auf eine andere Ebene gießen.

Der Name Debstedt benennt den Ort, wo das Meereswasser bei Flut über eine Landkante spülte und sich in eine tiefere Niederung ergoss. Das konnte etwa alle 12 Stunden geschehen, oder auch nur wenige Male im Jahr. Mondstellung sowie Sturm und Wind beeinflußten die Häufigkeit. Der Höhenrücken "Hohe Lieth" war im Mittelalter auf ganzer Nord-Südlänge die Brandungssperre gegen das Meer, nur "Debstedt" war die einzige Hintertür, wo das Meereswasser überfließen, überschöpfen konnte. Hier bezeugt die Flur "Steinacker", mit ihren einst unzähligen Kieselsteinen die mittelalterliche Brandungs- und Spülkante der Meeresflut, bevor es um 1100 zur Eindeichung der Küste und allmählichen Verlandung kam.
Da das ursprüngliche Bestimmungswort "debben" oder "döppen" in der Mehrzahl steht, ist anzunehmen, dass mehrere Abflachungen in der Landkante natürlich bevorzugte Wasserschöpfen waren, wo das Meereswasser zuerst überschwappte. Erkennbar noch westlich und östlich vom "Steinacker" und östlich in Richtung "Dulmeracker".

Selbst noch rund 800 Jahre später, als fast alle mittelalterlichen Wasserläufe längst verlandet und das Meereswasser vor dem Küstendeich halt machte, suchte aber immer noch das Niederschlagwasser in nassen Jahren seinen Abfluss über Debstedt, dem alten Düppenort. So wusste der Altbauer Reinhold Burmeister noch um 1924 zu erzählen: "In sehr nassen Wintern lief das Wasser aus dem Wiedackersmoor (verlandete Meeresbucht, Balje) durch die "Tötje" in die Sandkuhle (Brink, Marktplatz) und von da über die Pastorenwisch (Niederung) nach dem Beek".

Debstedt bedeutet zuerst einmal "Schöpfenstedt", der Ort der Wasserschöpfen.

Nun ist aber auch der stedt-Name hier kein Modename für Ort oder Stelle, sondern ebenso altertümlich wie der Bezugsname "deb". Sted, steden, staden meint nämlich Schiffslande = Hafen. Hier konnten sich die Schiffe bei Ebbe im Schlick trocken fallen lassen und waren über Landungsstege, das sind flache Erdwälle, erreichbar. Häfen und Kaimauern im heutigen Sinne gab es noch nicht und so nutzte man die Flut zum An- und Abfahren und die Ebbe zum Landen, zum Aufliegen. Vor wenigen Jahren waren noch Landungswälle östlich vor dem Wiedackersmoor erkennbar. Das heutige Wiedackermoor ist eine verlandete mittelalterliche Meeresbucht, eine Balje und war der eigentliche Naturhafen.

Der Ortsname "Debstedt" ist somit ein Hafenname, der übersetzt "Schöpfhafen" oder "Häfen bei den Wasserschöpfen" bedeutet.

Zum Namen gibt es folgende Schreibvarianten:

1247 Thebbestede (Person)
1330 Deppenstede (Person)
1335 Debbestede
1342 Debbestede (Person)
1363 Debbestede
1375 Debbestede (Person)
1378 Debstede
1398 Debbestede
1444 Debstede
1494 Dybbestede
1503 Debbestede
1509 Debbestede
1513 Debbestede
1515 Debbestede

Daraus ist ersichtlich, dass Debstedt als reiner Ortsname im Jahre 1335 auftaucht. Im Schatzregister aus dem Jahre 1597 finden sich gleichzeitig vier verschiedene Schreibarten und zwar Debstette, Debbestette, Debstett und Debbestede. Die Gerichtschronik von Lehe nennt 1447 Debstede, 1573 Debstedt, 1583 Debbestette, 1631 Debstedt und 1632 Debbestedt. Während der schwedischen Zeit taucht auch vereinzelt die Schreibweise "Döpstedt" auf, 1677 in der Kopsteuerbeschreibung und 1699 bis 1702 in den Jördebüchern.

Eine alte Chronik von Renner nennt Dobbestätt. Bis etwa um 1680 finden wir in Überzahl die doppelsilbige Schreibweise "Deb-bestede", danach setzt sich die heutige Schreibweise Debstedt durch. In der Mundart lautet der Name heute "Debs".